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Saturday 5th of June 2004 Das sind tatsächlich Träume: Den MAG-Abgeordneten Koos Pretorius belehrte unser Landesvater einst, daß es im Lande „überall genug Wasser für Berieselungsanlagen" gebe; wenn Pretorius ständig nur leere Bohrlöcher zu beklagen habe, so liege es daran, daß er nicht genug Bücher lese, um wirklich informiert zu sein. Ob diese Antwort auf eine Frage nach dem Bericht zur Lage der Nation seinerzeit ernst gemeint war, bleibt dahin gestellt. Nun überraschte der Ziehvater des neuen Präsidentschaftskandidaten wieder: Zur Verwirklichung der „Vision 2030" braucht Namibia 5 000 Ingenieure, 5 000 Wirtschaftsexperten, 2 000 Buchhalter und Buchprüfer, 1 000 Geologen, 300 Mengenberechner, 3 000 Agrar-Fachkräfte, 1 000 Meeresbiologen und 1 000 Tierärzte. - Pause! - Lesen Sie diese Ziffern in Ruhe noch einmal. Das ist nämlich nur ein Auszug aus dem Konzept, das am Mittwoch vorgestellt wurde: insgesamt 250 Seiten 9im A-4 Format... Natürlich unterstützen wir derartige Ambitionen. Und Namibia kann noch ganz andere Fachkräfte brauchen: Ärzte zum Beispiel. Und Lehrer. Aber wir sind skeptisch, ob sich diese Vision verwirklichen läßt. Und das nicht nur, weil ein Teil der Gesellschaft durch „Affirmative Action" abgeschreckt und regelrecht außer Landes verwiesen wird... Machen wir einen kleinen Umweg: Wenn in der Vergangenheit (egal, in welchem Land) derartige Visionen zusammengebastelt wurden, dann fragt man sich doch unwillkürlich, warum die Realität so ganz anders aussieht. Warum zum Beispiel konnte niemand (jedenfalls keiner der ehrgeizigen Visionäre) vorausahnen, daß die Wirtschaft im Jahre 2004 schwächelt? Warum sagt kein Experte oder Ratgeber im engeren Kreis der Regierungselite, daß Namibia tatsächlich Potential hat, aber durch rein politische Entscheidungen (etwa im Bereich der Landreform) Investoren und eigene Kräfte verschreckt? Es bleibt zu hoffen, daß „Vision 2030" nicht reines Wunschdenken bleibt. Jeder hat Interesse an der Entwicklung unseres Landes. Gerade Politiker ersticken manchmal in unrealistischen Wünschen, die es ihren Anhängern erleichtern, an solche politischen Wunderdoktoren zu glauben. Hoffentlich bedeutet Vision 2030 nicht, daß in etwa 25 Jahren „noch 20 bis 30 Weiße in Namibia sind und deshalb auch der Kampf gegen Imperialisten und Kolonialisten fortgesetzt werden muß". |
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