Politische Mathematik-Klimmzüge

Thursday 8th of July 2004
Hans Feddersen

Okakarara, Karibib und Usakos sind seit Tagen in den Schlagzeilen. Die Wasserzufuhr nach Oka-karara, wo sich Nudo und Swapo die Amtsgeschäfte des Stadtrates teilen, ist abgeschnitten , Egal, ob Wasser ein Menschenrecht ist. Egal, ob manche ihren Obolus entrichtet haben. Egal. Und die Gewerkschaften träumen davon, daß es ein Leben ohne Zahlungen gibt...

In Usakos weigerten sich die 3 gewählten Swapo-Vertreter bisher, an Sitzungen des dortigen Stadtrates teilzunehmen. Hier - und in Karibib - jagt ein Ultimatum das andere: Bitte Strom zahlen, sonst ist es aus und vorbei mit diesem Luxus. Wieder gilt: Egal, ob manche regelmäßig bezahlten oder nicht.

Es lohnt sich, dem Volk aufs Maul zu schauen. So deutete ein Swapo-Mitglied des Usakos-Stadtrates an, worum es der Partei vermutlich geht: Sobald der Stadtrat die Funktionen eines „Town Councils" nicht erfüllen kann, könnte das Ministerium den Status des Ortes zu einem Village degradieren. Statt 7 hätte der Village Council dann 5 Mitglieder. Und wenn die bei der vorigen Wahl abgegebenen gültigen Stimmen (1601) durch 5 statt durch 7 Sitze aufgeteilt werden und die so genannten „Surplus"-Stimmen (Überhang-Stimmen) berechnet werden, dann hätte Swapo drei der fünf (statt jetzt drei von sieben) Sitzen im „Village Council". Die Frage ist berechtigt, ob das finanzielle Schlamassel nicht sogar gewünscht wird, damit Swapo wieder die Mehrheit im Village Council bekommt.

Es geht noch weiter: So sollen Karibib und Usakos bereits einen Antrag an Prof. Toetemeyers Ministerium gerichtet haben, den Stadt-Status zu ändern. Der Experte für Lokalangelegenheiten habe das Schreiben mit einer Bitte um juristischen Beistand an Attorney-General Pendukeni Ithana weitergeleitet.

In Karibib liegt der „politische Fall" nicht ganz so eindeutig: Hier richtet sich der Zorn der Swapo gegen die DTA, die nur 69 Stimmen erhielt und aufgrund der Überhangstimmen trotzdem einen Sitz errang. In Karibib wurden 1316 gültige Stimmen abgegeben, die jetzt durch 7 Sitze geteilt werden; im Falle eines „Village Councils" würden nicht mehr 188, sondern 267 Stimmen pro Sitz reichen. Auf diesem Wege wäre die DTA aus dem Rennen. Aber die Befürworter dieses Rechenbeispiels sollten im Falle Karibib noch einmal nachrechnen.

Müßte es nicht neue Wahlen geben, wenn man von einem neuen Status ausgeht? Auf diese Frage antwortete ein Kommunalpolitiker: „Ach, wissen Sie, die Wähler sind vor lauter Wahlen in diesem Jahr doch jetzt schon ganz verwirrt. Außerdem sind Wahlen viel zu teuer - da können Sie jede Partei fragen".

Also: Wenn die vorliegenden Ergebnisse gelten sollten, gewinnt Swapo die Mehrheit in Usakos-Village! Mal sehen, wie es weiter geht!

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