BWS verlangt Entschuldigung von Swapo

Thursday 8th of July 2004
Brigitte Weidlich

Vor 15 Jahren, am 4. Juli 1989 kehrten 155 SWAPO-Mitglieder nach Windhoek zurück, die nur wenige Tage zuvor aus den unterirdischen Kerkern von Lubango im Süden Angolas freigelassen worden waren. Veile von ihnen versammelten sich am Montagabend, den 5. Juli im Gemeindesaal von Khomasdal, dem Ort, wo sie vor 15 Jahren während einer aufwühlenden Presskonferenz von Ihren Leiden berichtet hatten und ihre physischen Narben, Folgen von brutalen Folterungen, zeigten. Die Fotos gingen um die Welt.

,,Zum 15. Jubiläum unserer Heimkehr wollten wir uns heute wieder in diesem Saal treffen", sagte Calla Gertze, selbst ein Gefolterter. Mehr als 2000 kehrten nicht mehr zurück, erschossen, verhungert, an Krankheiten gestorben während ihrer grausamen Inhaftierung in den Erdlöchern, nur weil sie der angeblichen Spionage für das südafrikanische Apartheidsregime von der eigenen Partei bezichtigt wurden. Erzwungene Geständnisse auf Videoband – entweder ein ,,Geständis" oder ein Genickschuß als Alternative – retteten zwar das Leben, aber es war mehr ein jahrelanges Hinvegetieren in den dunklen Kerkerlöchern.

Die eigenen Swapo-Parteimitglieder hatten sie denunziert, darunter bekannte Namibier wie den UDF-Parlamentarier Eric Biwa und seinen DTA-Kollegen Philemon Moongo, Primus Hango, jetzt Chef des GIPF oder Martin von Lüttichau, der neun Jahre Lubango überlebt hat. Auch First Lady Kovambo Nujoma war in Lubango, wurde aber dank Intervention von Hage Geingob gerette, der davon erfuhr. Frau Nujoma verbrachte danach mehrere Jahre in den Swapo-Kinderheimen von Staßfurt in der ehemaligen DDR.

Obwohl ihre Vereinigung ,,Break the Wall of Silence Movement", kurz BWS, am Montag in einer Tageszeitung auf zwei ganzen Seiten Inserate mit Listen der vermissten Swapo-Dissidenten veröffentlicht hatte, rührte das die namibische Oeffentlichkeit kein bisschen.

,,Wir ringen immer noch um Anerkennung, sind nach wie vor ,Verräter’ und sind nicht in der Oeffentlichkeit als unschuldig und rehabilitiert erklärt ", sagte BWS-Sprecherin Pauline Dem-pers, selbst ein Lubango-Opfer, bei der öffentlichen Versammlung am Montagabend. ,Wir wollen keine Entschädigung, nur eine Entschuldiging und daß die SWAPO-Führung sich zu ihren Gräueltaten von damals bekennt".

‚,Es ist an der Zeit, daß sich die SWAPO und damit die jetzige Regierung bei uns entschuldigt. Ausserdem brauchen wir eine Wahrheitskom-mission", sagte ein BWS-Mitglied. Ben Ulenga, Präsident der CoD, in dessen Partei viele Lubango-Opfer Mitglied sind, schlug eine Petition an die SWAPO-Führung vor, die soviele Bürger wie möglich unterschreiben sollten. Die Bittschrift soll eine Forderung um eine öffentliche Entschuldigung für das Unrecht an die Opfer beeinhalten und eine Rehablititierung der vermeintlichen ,Verräter’. Ulenga selbst war zwar nicht in Lubango, verbrachte aber fast acht Jahre im Gefängnis auf Robben Island.

Andere Anwesende drangen darauf, daß die noch lebenden Opfer ihre schrecklichen Erlebnisse aufschreiben sollten um eine Dokumentation in Buchform zu veröffentlichen.

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia