Opposition macht mobil

Sunday 8th of August 2004
Hans Feddersen

In die Oppositionsparteien ist etwas Bewegung gekommen. Beflügelt von den Ergebnissen der Stadtratswahl im vergangenen Mai, gehen Parteifunktionäre mit neuem Elan an die Arbeit. Das betrifft vor allem die ländlichen Gebiete.

Der Kongreß der Kongreßdemokraten ist vorbei. Eine neue Parteispitze wurde gewählt - und Ben Ulenga, der Mann, unter dessen Führung die Partei 1999 gegründet wurde, bekam nochmals ein klares Votum, die Verantwortung als Parteichef weiterhin zu behalten und auch im November als Präsidentschaftskandidat zu kandidieren. Nora Schimming-Chase wurde zur Vize-Präsidentin der Partei gewählt.

Natürlich schläft auch die regierende Partei nicht! Sie weiß vor allem, wie man Infrastruktur des Staates zu seinen Gunsten verwendet. Und deshalb überrascht es wenig, daß die Partei-Zeitung New Era trotz horrender Ausgaben und Verluste nun also doch zur Tageszeitung umfunktioniert wurde. Vielleicht hält sie dem finanziellen Druck bis nach den Wahlen stand, vielleicht auch länger. Sicher ist, daß fünfmaliges erscheinen pro Woche auch fünffache Ausgaben mit sich bringt...

Das scheint den Herausgebern uninteressant zu sein, da das Blatt aus Steuergeldern finanziert wird.

Nicht nur die Kongreßdemokraten, sondern auch die DTA hat zuletzt den Eindruck hinterlassen, als habe sie plötzlich eine Energie- und Vitaminspritze bekommen. Da wurde also im Stillen auch ganz kräftig gearbeitet!

Richtig lebhaft geht es zur Zeit in den Reihen der CoD, NUDO und UDF in den ländlichen Gebieten zu.

Es kann durchaus sein, daß Namibias Demokratie seltsame Wege geht. Denn bei dieser neuen Motivation kann nicht verborgen bleiben, daß sich einige Parteien auf ihre Wurzeln in ethnischen Stämmen besinnen. Immer lauter denken sie über einen Bundesstaat nach, „weil die regierende Partei ja wohl auch nur an die zahlenmäßig größte Gruppe denkt". Gruppendenken... daraus soll dann die politische Machtbasis resultieren. Unter den Herero-, bzw. Damara-sprachigen ist dieser Aspekt nicht zu leugnen. Nein, also „mit der Apartheid hat das gar nichts zu tun", wie immer wieder beteuert wird. Aber es ist deutlich, daß sich die „kleineren Parteien" in ihre eigenen ethnischen Strukturen zurückziehen, bevor sie dann vielleicht in andere Teile des Landes vorstoßen könnten.

Die Wähler stellen Fragen - und interessieren sich auf einmal für die Politik. So hört man zum Beispiel, daß ein unabhängiger Kandidat doch wohl durchaus eine Chance als Präsidentschaftskandidat hätte, WENN die Koalition der Oppositionsparteien ihn unterstützt... Interessant ist daran, daß man sogar schon an solche Kandidaten gedacht hat: Frank Fredericks, Hage Geingob, Hidipo Hamutenya... Man darf träumen. Bedenken wir, daß die Wähler in den letzten 14 Jahren in überschwenglich großer Mehrheit glaubten, daß es nur einen Übervater gibt...

Die Stimmung ändert sich. Zumindest etwas...

 

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